Stille Reserve

Stille Reserven | online-kurs.ch

Stille Reserven

Bildung, Auflösung und Auswirkung auf die Jahresrechnung nach OR 2026

Finanzbuchhaltung | Lerneinheit | Stand: Dezember 2025

Ausgangslage: Die Geschäftsleitung eines Handelsunternehmens möchte den ausgewiesenen Jahresgewinn reduzieren. Gleichzeitig soll das Unternehmen für schwierigere Zeiten gerüstet sein. Welche Möglichkeiten bietet das Obligationenrecht, um diese Ziele zu erreichen?

Advanced Organizer: Stille Reserven im Überblick

STILLE RESERVEN OR 960a Abs. 4 / OR 960e Abs. 3+4 Differenz zwischen offiziellem Bilanzwert und tatsächlichem (internem) Wert UNTERBEWERTUNG AKTIVEN Höhere Abschreibungen, tiefere Vorratsbewertung, höhere Wertberichtigungen auf FLL ÜBERBEWERTUNG PASSIVEN Überhöhte Rückstellungen, nicht mehr begründete Rückstellungen beibehalten ARTEN STILLER RESERVEN Willkürreserven Bewusst gebildet zur Gewinnbeeinflussung Vorsichtsreserven Durch vorsichtige Bewertung entstanden Zwangsreserven Gesetzliche Höchst- bewertung verhindert Wiederbeschaffungs- reserven OR 960a Abs. 4 BILDUNG STILLER RESERVEN Buchung erhöht Aufwand Warenaufwand / Vorräte Abschreibungsaufwand / Anlagen Betriebsaufwand / Rückstellungen AUFLÖSUNG STILLER RESERVEN Buchung vermindert Aufwand Vorräte / Warenaufwand Anlagen / Abschreibungsaufwand Rückstellungen / Betriebsaufwand AUSWIRKUNG AUF DEN ERFOLG Unverändert Kein Einfluss auf Erfolg Offiziell = Intern Bildung Offizieller Gewinn sinkt + Bildung = Intern Auflösung Offizieller Gewinn steigt − Auflösung = Intern

Der Advanced Organizer zeigt das gesamte Thema «Stille Reserven» auf einen Blick. Er ist wie folgt aufgebaut:

Ebene 1 und 2: Stille Reserven sind die Differenz zwischen dem offiziellen Bilanzwert und dem tatsächlichen oder internen Wert. Die gesetzliche Grundlage bilden OR 960a Absatz 4 und OR 960e Absatz 3 und 4.

Ebene 3: Stille Reserven entstehen durch zwei Mechanismen: die Unterbewertung von Aktiven wie Anlagen, Vorräte oder Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, oder durch die Überbewertung von Passiven wie überhöhte Rückstellungen.

Ebene 4: Es gibt vier Arten stiller Reserven: Willkürreserven werden bewusst gebildet, Vorsichtsreserven entstehen durch vorsichtige Bewertung, Zwangsreserven ergeben sich aus gesetzlichen Höchstbewertungsvorschriften, und Wiederbeschaffungsreserven dienen der Sicherung künftiger Investitionen.

Ebene 5: Die Bildung erfolgt durch Buchungen, die den Aufwand erhöhen. Die Auflösung erfolgt durch den umgekehrten Buchungssatz, der den Aufwand vermindert.

Ebene 6: Nur die Veränderung stiller Reserven beeinflusst den Erfolg. Bei unveränderten Reserven sind offizieller und interner Erfolg gleich. Bei Bildung sinkt der offizielle Gewinn, bei Auflösung steigt er.

Definition und Grundlagen

Was sind stille Reserven?

Stille Reserven entstehen, wenn in einer Bilanz die tatsächlichen Vermögenswerte oder Schulden nicht korrekt ausgewiesen werden. Sie ergeben sich aus der Differenz zwischen dem offiziellen Bilanzwert und dem tatsächlichen Wert, auch interner Wert genannt.

Das Vorsichtsprinzip nach OR 958c erlaubt die Unterbewertung von Aktiven und die Überbewertung von Passiven. Das führt dazu, dass Vermögensposten unterbewertet und Fremdkapitalposten überbewertet werden dürfen.

Grundprinzip der stillen Reserven

Der tatsächliche oder interne Bilanzwert = immer 100%

Beispiel: Unterbewertung der Aktiven um 50

WIE ENTSTEHEN STILLE RESERVEN? Beispiel: Maschine wird offiziell um 50 tiefer bewertet als ihr tatsächlicher Wert OFFIZIELLE BILANZ für Externe (Geschäftsbericht) AKTIVEN Maschine 350 Übrige Aktiven 150 Total: 500 PASSIVEN Fremdkapital 300 Eigenkapital 200 Total: 500 Die Maschine ist offiziell mit 350 bewertet. Das ist 50 weniger als der tatsächliche Wert. → Stille Reserve von 50 ist versteckt INTERNE BILANZ für Geschäftsleitung (tatsächliche Werte) AKTIVEN Maschine 400 Übrige Aktiven 150 Total: 550 PASSIVEN Fremdkapital 300 Eigenkapital 200 Stille Reserven 50 Total: 550 Maschine zum tatsächlichen Wert: 400 (+50 mehr) +50

Offizielle Bilanz (links): Die Maschine wird mit 350 bewertet, obwohl ihr tatsächlicher Wert 400 beträgt. Das Unternehmen hat also mehr abgeschrieben als nötig. Die Bilanzsumme beträgt 500.

Interne Bilanz (rechts): Die Maschine wird zum tatsächlichen Wert von 400 gezeigt. Die Bilanzsumme ist deshalb um 50 höher (550). Diese 50 erscheinen auf der Passivseite als «Stille Reserven» und erhöhen das tatsächliche Eigenkapital.

Fazit: Die stillen Reserven von 50 sind in der offiziellen Bilanz nicht sichtbar. Nur die Geschäftsleitung kennt den wahren Wert des Unternehmens.

Entstehung stiller Reserven

Stille Reserven entstehen durch zwei grundlegende Mechanismen: die Unterbewertung von Aktiven oder die Überbewertung von Passiven. Beide Methoden sind nach OR 960a und OR 960e ausdrücklich erlaubt.

Unterbewertung von Aktiven Überbewertung von Passiven
Höhere Abschreibungen auf Anlagen als betriebswirtschaftlich notwendig Bildung von Rückstellungen höher als betriebswirtschaftlich begründet
Bewertung von Warenvorräten unter dem Einstandspreis Überhöhte Wertberichtigungen auf Verbindlichkeiten
Höhere Wertberichtigungen auf Forderungen aus Lieferungen und Leistungen als nötig
Bilanzwert von Immobilien tiefer als Anschaffungswert bei gestiegenen Marktwerten

Minicase: Maschinenfabrik

Eine Unternehmung besitzt Maschinen und Mobilien zum Anschaffungswert von 500’000 Franken. Gemäss OR 960a dürfen Anlagen höchstens zu den Anschaffungskosten bewertet werden. Die ordentliche Abschreibung beträgt 20 Prozent vom Anschaffungswert der Anlagen. Für die Bildung stiller Reserven wird der Abschreibungssatz auf 30 Prozent erhöht.

Berechnung der stillen Reserven:

Anschaffungswert der Anlage: 500’000 Franken

Offizielle Abschreibung 30 Prozent: 150’000 Franken

Offizieller Bilanzwert: 350’000 Franken

Interne Abschreibung 20 Prozent: 100’000 Franken

Interner Bilanzwert oder tatsächlicher Wert: 400’000 Franken

Stille Reserven: 400’000 minus 350’000 gleich 50’000 Franken

Durch die um 10 Prozentpunkte höhere Abschreibung entstehen stille Reserven von 50’000 Franken. Diese sind in der offiziellen Bilanz nicht sichtbar.

Arten stiller Reserven

Das Obligationenrecht unterscheidet verschiedene Arten von stillen Reserven. Diese unterscheiden sich in ihrer Entstehung und ihrer rechtlichen Behandlung. Klicken Sie auf die Karten, um mehr zu erfahren.

Willkürreserven

Verwaltungs- oder Absichtsreserven

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Von der Verwaltung oder Geschäftsleitung bewusst gebildete stille Reserven zur Beeinflussung des ausgewiesenen Jahreserfolgs. Zum Beispiel die Bildung von betriebswirtschaftlich nicht gerechtfertigten Rückstellungen und Wertberichtigungen.

Vorsichtsreserven

Schätzungs- oder Ermessensreserven

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Entstehen durch zu vorsichtige Bewertung. Zum Beispiel die Unterschätzung der Nutzungsdauer von Sachanlagen oder der Verzicht auf die Verbuchung von nicht realisierten Kursgewinnen bei kotierten Wertschriften.

Zwangsreserven

Gesetzlich bedingte Reserven

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Wertsteigerungen, die wegen der gesetzlichen Höchstbewertungsvorschriften nicht erfasst werden dürfen. Zum Beispiel bei Liegenschaften mit gestiegenem Marktwert, die nicht über den Anschaffungswert aufgewertet werden dürfen.

Wiederbeschaffungsreserven

OR 960a Absatz 4

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Entstehen durch Abschreibung vom Wiederbeschaffungswert gemäss OR 960a Absatz 4. Zum Beispiel die Bildung von Wiederbeschaffungsrückstellungen für spätere Ersatzinvestitionen.

Kriterium Offene Reserven Stille Reserven
Sichtbarkeit Offiziell im Eigenkapital ausgewiesen In der öffentlichen Bilanz nicht sichtbar
Entstehung Zuweisung bei der Gewinnverteilung oder durch Gesetz gemäss OR 671 oder in den Statuten vorgeschrieben Unterbewertung von Aktiven oder Überbewertung von Fremdkapital
Zweck Verlustdeckung oder Zweck gemäss Statuten Veränderung des offiziellen Erfolgs
Entscheid durch Generalversammlung Verwaltungsrat
Beispiele Gesetzliche Reserven oder freie Reserven Zusätzliche Abschreibungen oder überhöhte Rückstellungen

Wichtig zu beachten

Stille Reserven sind gemäss schweizerischem Obligationenrecht ausdrücklich erlaubt. Sie dienen der Sicherung des dauernden Gedeihens des Unternehmens gemäss OR 960a Absatz 4. Die Bildung stiller Reserven liegt im Ermessen des Verwaltungsrats und muss nicht durch die Generalversammlung genehmigt werden.

Bildung stiller Reserven

Die Bildung stiller Reserven erfolgt über eine Buchung, die den Aufwand erhöht oder den Ertrag mindert. Gemäss OR 960a Absatz 4 dürfen zusätzliche Abschreibungen und Wertberichtigungen vorgenommen werden, wenn sie zur Sicherung des dauernden Gedeihens des Unternehmens dienen.

Bilanzposition Massnahme Buchungssatz
Unterbewertung von Aktiven
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen Wertberichtigung höher ansetzen als nötig Verluste aus Forderungen / Wertberichtigung auf Forderungen
Warenvorrat Bilanzwert unter dem Einstandspreis bewerten Warenaufwand / Vorräte
Mobile Anlagen Mehr abschreiben als nötig Abschreibungsaufwand / Anlagen
Immobilien Bilanzwert tiefer ansetzen als Anschaffungswert Immobilienaufwand / Immobilien
Überbewertung von Passiven
Rückstellungen Höhere Rückstellung bilden als notwendig Betriebsaufwand / Rückstellungen
📊

Fallbeispiel: Bildung stiller Reserven

Eine Unternehmung besitzt Anlagen zum Anschaffungswert von 1’200 Franken. Die ordentliche Abschreibung auf den Anlagen beträgt 20 Prozent vom Anschaffungswert der Anlagen. Für die Bildung stiller Reserven wird der Abschreibungssatz auf 30 Prozent erhöht.

1. Auswirkung auf den Bilanzwert der Anlagen:

Position Offizielle Werte Interne Werte
30 Prozent Abschreibung vom Anschaffungswert 1’200 360 Franken
Offizieller Bilanzwert 1’200 minus 360 840 Franken
20 Prozent Abschreibung vom Anschaffungswert 240 Franken
Interner Bilanzwert 1’200 minus 240 960 Franken
Bildung stiller Reserven 960 minus 840 gleich 120 Franken

2. Auswirkung auf die Erfolgsrechnung:

Offizielle Erfolgsrechnung Interne Erfolgsrechnung
Betriebsaufwand 1’500 Franken Betriebsaufwand 1’500 Franken
Abschreibungen 360 Franken Abschreibungen 240 Franken
Betriebsertrag 2’200 Franken Betriebsertrag 2’200 Franken
Offizieller Reingewinn 340 Franken Interner Reingewinn 460 Franken

Nachweis der Differenz zwischen offiziellem und internem Reingewinn

Offizieller Reingewinn 340 + Bildung stille Reserven 120 = Interner Reingewinn 460

Auflösung stiller Reserven

Für die Auflösung der stillen Reserven wird der Buchungssatz umgedreht. Der offizielle Wert kann damit wieder auf den höheren Wert gesetzt werden. Dies ist aber nur erlaubt, wenn die Wiederbeschaffungspreise höher sind als der offizielle Wert.

Bilanzposition Buchungssatz bei Auflösung
Aufwertung von Aktiven
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen Wertberichtigung auf Forderungen / Verluste aus Forderungen
Warenvorrat Vorräte / Warenaufwand
Mobile Anlagen Anlagen / Abschreibungsaufwand
Immobilien Immobilien / Immobilienaufwand
Abwertung von Passiven
Rückstellungen Rückstellungen / Betriebsaufwand oder Ertrag
📉

Fallbeispiel: Auflösung stiller Reserven

Eine Unternehmung weist den Warenvorrat in der offiziellen Eröffnungsbilanz mit einem Wert von 240 Franken aus. Auf dem Vorrat bestehen stille Reserven von 80 Franken aus früheren Jahren. Der tatsächliche Wert des Warenlagers hat sich bis Ende Jahr nicht verändert. Vor dem Abschluss werden von den bestehenden stillen Reserven 50 Franken aufgelöst.

Ausgangslage Eröffnungsbilanz:

Position Wert
Offizieller Wert Warenvorrat 240 Franken
Plus stille Reserven 80 Franken
Interner Wert 320 Franken

Buchungssatz für die Auflösung der stillen Reserve:

31.12.
Warenvorrat 50
an Warenaufwand
Aufwertung des Warenvorrats

Zusammenfassung der Bilanzwerte des Warenvorrats:

Bestände am 1.1. Bestände am 31.12. Veränderung stille Reserven
Offizieller Wert 240 290 minus 50
(Auflösung)
Interner Wert 320 320
Stille Reserven 80 30

Offenlegungspflicht im Anhang

Werden in einem Geschäftsjahr mehr stille Reserven aufgelöst als gebildet, muss diese Nettoauflösung im Anhang gezeigt werden, wenn damit das erwirtschaftete Ergebnis wesentlich günstiger dargestellt wird gemäss OR 959c Absatz 1 Ziffer 3.

Wesentlich günstiger bedeutet:

• Die Nettoauflösung ist grösser als 10 bis 20 Prozent des tatsächlichen Erfolgs.

• Durch die Nettoauflösung wird ein Jahresverlust in einen Jahresgewinn umgewandelt.

• Durch die Nettoauflösung wird eine Überschuldung verhindert.

Einfluss auf den Erfolg

Nur die Bildung oder Auflösung von stillen Reserven hat einen Einfluss auf den Reingewinn. Werden stille Reserven betragsmässig unverändert aus dem Vorjahr übernommen, dann hat dies keinen Einfluss auf den Erfolg des laufenden Jahres.

Die drei Fälle bei stillen Reserven

AUSWIRKUNG AUF DEN ERFOLG FALL 1 Unveränderte Übernahme Bestehende stille Reserven werden wertmässig UNVERÄNDERT ÜBERNOMMEN KEIN EINFLUSS auf den Erfolg Offizieller Erfolg = Interner Erfolg FALL 2 Neubildung Stille Reserven werden im laufenden Geschäftsjahr NEU GEBILDET GEWINN SINKT offiziell (Aufwand steigt) Offizieller Reingewinn + Bildung stille Reserven = Interner Reingewinn FALL 3 Auflösung Stille Reserven werden im laufenden Geschäftsjahr AUFGELÖST GEWINN STEIGT offiziell (Aufwand sinkt) Offizieller Reingewinn − Auflösung stille Reserven = Interner Reingewinn

Fall 1: Wenn stille Reserven aus dem Vorjahr unverändert übernommen werden, hat dies keinen Einfluss auf den Erfolg des laufenden Jahres. Der offizielle und der interne Erfolg sind identisch.

Fall 2: Bei der Neubildung stiller Reserven steigt der Aufwand in der offiziellen Rechnung. Dadurch sinkt der offizielle Gewinn unter den tatsächlichen internen Gewinn. Die Bildung muss zum offiziellen Reingewinn addiert werden, um den internen Reingewinn zu erhalten.

Fall 3: Bei der Auflösung stiller Reserven sinkt der Aufwand in der offiziellen Rechnung. Der offizielle Gewinn ist höher als der tatsächliche interne Gewinn. Die Auflösung muss vom offiziellen Reingewinn abgezogen werden.

Merke

Nur die Bildung oder Auflösung von stillen Reserven hat einen Einfluss auf den Reingewinn.

Werden stille Reserven betragsmässig unverändert aus dem Vorjahr übernommen, dann hat dies keinen Einfluss auf den Erfolg des laufenden Jahres. Offizieller Erfolg gleich interner Erfolg.

Offizielle und interne Bilanz

Werden in einer Unternehmung stille Reserven gebildet oder aufgelöst, dann sind beim Abschluss sowohl eine interne Bilanz und Erfolgsrechnung als auch eine offizielle Bilanz und Erfolgsrechnung zu erstellen.

Offizielle Bilanz Interne Bilanz
Weist die unterbewerteten Aktiven oder überbewerteten Passiven aus, die gemäss Gesetz möglich sind Weist die tatsächlichen Werte der Aktiven und Passiven aus
Sie ist für die Öffentlichkeit bestimmt, das heisst für den Geschäftsbericht, für die Aktionäre, Presse und so weiter Ist nur für die Geschäftsleitung bestimmt

Vorgehen zur Darstellung der internen Bilanz

Aktiven zum internen Wert einsetzen: offizieller Wert plus stille Reserve gleich interner Wert

Fremdkapital zum internen Wert aufführen: offizieller Wert minus stille Reserven gleich interner Wert

Eigenkapital: Der gesamte Bestand der stillen Reserven wird beim Eigenkapital als eigener Posten «stille Reserven» aufgeführt

📋

Fallbeispiel: Straub AG

In der offiziellen Eröffnungs- und Schlussbilanz der Straub AG sind folgende Posten unterbewertet:

• Der Warenbestand ist mit 30 unter dem Einstandswert bilanziert

• Auf den Mobilien bestehen stille Reserven von 40

Bestimmen Sie die internen Werte am 1.1. und 31.12.

1. Januar 31. Dezember Veränderung stille Reserven
Bilanzposten Offizieller Wert Interner Wert Stille Reserve Offizieller Wert Interner Wert Stille Reserve
Warenvorrat 80 110 30 115 145 30 0
Mobilien 130 170 40 90 130 40 0
Total 210 280 70 205 275 70 keine Veränderung

Offizielle und interne Schlussbilanz nach Gewinnverteilung:

Offizielle Schlussbilanz Interne Schlussbilanz
Flüssige Mittel 20 Flüssige Mittel 20
FLL 35 FLL 35
Warenvorrat 115 Warenvorrat 145
Mobilien 90 Mobilien 130
Total Aktiven 260 Total Aktiven 330
Fremdkapital 130 Fremdkapital 130
Aktienkapital 100 Aktienkapital 100
Gesetzliche Reserven 30 Gesetzliche Reserven 30
STILLE RESERVEN 70
Total Passiven 260 Total Passiven 330

Da im Abschlussjahr keine stillen Reserven gebildet wurden, hat dies keinen Einfluss auf den Erfolg des laufenden Jahres: offizieller Erfolg oder Reingewinn oder Verlust gleich interner oder tatsächlicher Erfolg.

Entscheidungsbaum: Stille Reserven

Wie gehe ich bei stillen Reserven vor?

START Wurden stille Reserven verändert? NEIN FALL 1: Unverändert Kein Einfluss auf Erfolg Offiziell = Intern JA Bildung oder Auflösung? BILDUNG FALL 2: Neubildung Aufwand ↑ → Offizieller Gewinn ↓ Offizieller RG + Bildung = Interner RG AUFLÖSUNG FALL 3: Auflösung Aufwand ↓ → Offizieller Gewinn ↑ Offizieller RG − Auflösung = Interner RG Wesentlich günstiger? JA Offenlegung im Anhang OR 959c

Der Entscheidungsbaum führt Sie durch die Analyse stiller Reserven:

Schritt 1: Prüfen Sie zuerst, ob sich die stillen Reserven im Vergleich zum Vorjahr verändert haben. Wenn nein, liegt Fall 1 vor und es gibt keinen Einfluss auf den Erfolg.

Schritt 2: Falls ja, prüfen Sie, ob es sich um eine Bildung oder eine Auflösung handelt. Bei der Bildung liegt Fall 2 vor, bei der Auflösung Fall 3.

Schritt 3: Bei einer Auflösung müssen Sie zusätzlich prüfen, ob das Ergebnis dadurch wesentlich günstiger dargestellt wird. Falls ja, ist eine Offenlegung im Anhang gemäss OR 959c erforderlich.

Lernkontrolle

11 Fragen zu stillen Reserven. Bestehensgrenze: 60%

Single Choice

Frage 1: Wie entstehen stille Reserven?

Berechnung

Frage 2: Ein Unternehmen besitzt Maschinen mit einem Anschaffungswert von 600’000 Franken. Der offizielle Bilanzwert beträgt 240’000 Franken. Der interne Bilanzwert beträgt 360’000 Franken. Wie hoch sind die stillen Reserven?

Single Choice

Frage 3: Wie lautet der Buchungssatz für die Bildung stiller Reserven auf dem Warenvorrat?

Berechnung

Frage 4: Der offizielle Reingewinn beträgt 85’000 Franken. Im laufenden Jahr wurden stille Reserven von 25’000 Franken neu gebildet. Wie hoch ist der interne Reingewinn?

Berechnung

Frage 5: Der offizielle Reingewinn beträgt 120’000 Franken. Im laufenden Jahr wurden stille Reserven von 40’000 Franken aufgelöst. Wie hoch ist der interne Reingewinn?

Berechnung

Frage 6: Eine Anlage wurde für 200’000 Franken gekauft. Die offizielle Abschreibung beträgt 25 Prozent, die interne Abschreibung 15 Prozent. Wie hoch sind die stillen Reserven nach dem ersten Jahr?

Single Choice

Frage 7: Wann muss eine Nettoauflösung stiller Reserven im Anhang offengelegt werden?

Berechnung

Frage 8: Der Warenvorrat hat am 1.1. einen offiziellen Wert von 150’000 Franken. Die stillen Reserven betragen 30’000 Franken. Am 31.12. beträgt der offizielle Wert 180’000 Franken, die stillen Reserven betragen noch 20’000 Franken. Welche Veränderung liegt vor?

Single Choice

Frage 9: Wie lautet der Buchungssatz für die Auflösung stiller Reserven auf den Mobilien?

Berechnung

Frage 10: Die offizielle Bilanzsumme beträgt 800’000 Franken. Auf den Aktiven bestehen stille Reserven von insgesamt 75’000 Franken. Wie hoch ist die interne Bilanzsumme?

Berechnung

Frage 11: Am 1.1. betrugen die stillen Reserven 50’000 Franken. Im laufenden Jahr wurden 30’000 Franken neu gebildet und 15’000 Franken aufgelöst. Wie hoch ist der Bestand der stillen Reserven am 31.12.?

Gesamtauswertung

Zusammenfassung

Stille Reserven entstehen durch Unterbewertung von Aktiven oder Überbewertung von Passiven. Sie sind in der offiziellen Bilanz nicht sichtbar und dienen der Beeinflussung des ausgewiesenen Jahreserfolgs.

Die Bildung erfolgt über Aufwandsbuchungen wie zusätzliche Abschreibungen oder überhöhte Rückstellungen. Die Auflösung erfolgt durch den umgekehrten Buchungssatz.

Nur die Veränderung stiller Reserven beeinflusst den Erfolg. Bei der Bildung sinkt der offizielle Gewinn, bei der Auflösung steigt er. Unveränderte stille Reserven haben keinen Einfluss auf den laufenden Erfolg.

Die Nettoauflösung muss im Anhang offengelegt werden, wenn das Ergebnis dadurch wesentlich günstiger dargestellt wird.

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