Einzelunternehmen: Kapital- und Privatkonto | Advanced Organizer

Das Einzelunternehmen in der Schweiz

Die häufigste Rechtsform der Schweiz im Überblick: Von der Gründung über Haftung und Steuern bis zur korrekten Verbuchung von Eigenkapital und Privatkonto.

Finanzbuchhaltung nach Schweizer Recht | Gültig für 2025 und 2026

Gesamtübersicht: Das Einzelunternehmen

Das Einzelunternehmen ist die einfachste und häufigste Rechtsform in der Schweiz. Rund 300'000 Einzelunternehmen sind aktiv. Im Jahr 2024 wurden über 18'000 neue Einzelfirmen gegründet. Diese Rechtsform entsteht automatisch, sobald eine Person auf eigene Rechnung und unter eigenem Namen eine wirtschaftliche Tätigkeit aufnimmt.

Das Einzelunternehmen: Alle wichtigen Aspekte auf einen Blick

Das Einzelunternehmen (EU) in der Schweiz Rund 300'000 aktive Einzelunternehmen | Über 18'000 Neugründungen 2024 | Häufigste Rechtsform Inhabende Person Eigentum + Geschäftsführung in einer Hand Gründung Formlos möglich Kein Mindestkapital Entsteht durch Aufnahme der Geschäftstätigkeit Handelsregister Pflicht ab 100'000 Franken Jahresumsatz Freiwillig auch darunter Schutz des Firmennamens Firmierung Muss Familiennamen enthalten Zusätze erlaubt z.B. «Müller Schreinerei» Haftung Unbeschränkte persönliche Haftung Mit gesamtem Privat- und Geschäftsvermögen Besteuerung Keine Gewinnsteuer Einkommenssteuer auf Unternehmereinkommen Vermögenssteuer auf Geschäftsvermögen Gewinnverwendung Keine GV erforderlich Alleinige Entscheidung der inhabenden Person Volle Verfügungsfreiheit über Gewinn und Verlust Sozialversicherungen AHV/IV/EO: 5,371 % bis 10 % (steigende Skala bis 60'500 Fr.) Akontobeiträge vierteljährlich Schlussabrechnung nach Steuermeldung Keine ALV, UVG/BVG freiwillig Gesetzliche Grundlagen OR Art. 945 ff. (Firmierung) OR Art. 957 ff. (Buchführung) HRegV (Handelsregister) Buchhaltung: Zwei Konten für das Eigenkapital 2800 EIGENKAPITAL Soll (−) Haben (+) Kapitalrückzug Sollsaldo 2850 Privat Jahresverlust Schlussbestand Anfangsbestand Kapitalerhöhung Habensaldo 2850 Privat Jahresgewinn Erscheint in der Bilanz (Passiven) Langfristig investiertes Kapital 2850 PRIVAT Soll (Bezüge) Haben (Gutschriften) Barbezüge Private Rechnungen Warenbezüge Privatnutzung Auto Eigenlohn Eigenzins Geschäftsspesen privat bezahlt Saldo wird am Jahresende ins Eigenkapital übertragen Saldierung am Jahresende UNTERNEHMEREINKOMMEN (steuerbares Einkommen) Reingewinn (oder Verlust) + Eigenlohn + Eigenzins Basis für Steuererklärung und AHV-Abrechnung Grün: Eigenkapital Oker: Privat / Steuern Blau: Soziales / Register Grau: Rechtliches

Kriterien für die Selbstständigkeit (Ausgleichskasse)

Die Ausgleichskasse prüft anhand verschiedener Kriterien, ob eine Person als selbstständigerwerbend gilt. Diese Prüfung erfolgt für jede Tätigkeit einzeln. Massgebend sind die tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnisse, nicht die vertraglichen Abmachungen.

Eigener Name und eigene Rechnung

Die Person tritt nach aussen unter eigenem Firmennamen auf und stellt Rechnungen in eigenem Namen.

Wirtschaftliches Risiko

Die Person trägt das unternehmerische Risiko selbst: Inkassorisiko, Gewährleistung, Verluste.

Unabhängige Stellung

Freie Gestaltung der Arbeitszeit, Annahme oder Ablehnung von Aufträgen, keine Weisungsgebundenheit.

Eigene Investitionen

Bedeutende Investitionen für berufliche Zwecke: Werkzeuge, Maschinen, Fahrzeuge, Software.

Eigene Geschäftsräume

Verfügt über eigene Arbeitsräume wie Werkstatt, Atelier, Büro oder Ladenlokal.

Mehrere Auftraggeber

Arbeitet für verschiedene Kunden und ist nicht von einem einzigen Auftraggeber abhängig.

Eigene Auftragsbeschaffung

Beschafft Aufträge selbstständig durch Werbung, Akquisition, Offerten und eigenes Netzwerk.

Öffentliches Auftreten

Erkennbar als Unternehmen: Eintrag im Handelsregister, eigene Website, Visitenkarten, Werbematerial.

Wichtig

Die Ausgleichskasse prüft jede Tätigkeit einzeln. Eine Person kann gleichzeitig für eine Tätigkeit als selbstständigerwerbend und für eine andere als unselbstständigerwerbend gelten. Selbstständigerwerbende sind nicht gegen Arbeitslosigkeit versichert und fallen nicht unter das Obligatorium der beruflichen Vorsorge (BVG) und der Unfallversicherung (UVG). Die AHV/IV/EO-Beiträge werden vierteljährlich als Akontobeiträge bezahlt. Die definitive Abrechnung erfolgt erst, wenn die Steuerverwaltung das Einkommen gemeldet hat.

Die zwei zentralen Konten im Detail

2800 Eigenkapital

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2800 Eigenkapital: Langfristiges Kapital

Das Eigenkapitalkonto zeigt das langfristig investierte Kapital. Es gehört zu den Passiven in der Bilanz.

Soll (Minderungen): Kapitalrückzug, Sollsaldo Privat, Jahresverlust, Schlussbestand.

Haben (Mehrungen): Anfangsbestand, Kapitalerhöhung, Habensaldo Privat, Jahresgewinn.

Erscheint in der Bilanz und zeigt das Reinvermögen.

2850 Privat

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2850 Privat: Laufende Bewegungen

Hilfskonto zum Eigenkapital. Erfasst alle Transaktionen zwischen Geschäft und Privatbereich.

Soll (Bezüge): Barbezüge, private Rechnungen, Warenbezüge, Privatnutzung Fahrzeug.

Haben (Gutschriften): Eigenlohn, Eigenzins, privat bezahlte Geschäftsspesen.

Empfohlen gemäss Kontenrahmen KMU. Erscheint nicht in der Bilanz.

Eigenlohn

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Eigenlohn: Entgelt für eigene Arbeit

Kalkulatorische Grösse. Die inhabende Person kann sich keinen echten Lohn auszahlen.

Zweck: Die Erfolgsrechnung wird vergleichbar mit anderen Unternehmen.

Höhe: Marktüblicher Lohn für die geleistete Arbeit.

Steuerlich: Zählt zum Unternehmereinkommen.

Buchung: 5000 Personalaufwand / 2850 Privat.

Eigenzins

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Eigenzins: Verzinsung des Eigenkapitals

Entschädigung dafür, dass Kapital im Unternehmen gebunden ist.

Berechnung: Üblicher Zinssatz auf Eigenkapital (3 bis 5 % pro Jahr).

Steuerlich: Zählt zum Unternehmereinkommen.

AHV: 1,5 % des Eigenkapitals wird abgezogen.

Buchung: 6900 Finanzaufwand / 2850 Privat.

Saldierung des Privatkontos am Jahresende

Am Ende des Geschäftsjahres wird das Privatkonto abgeschlossen. Der Saldo wird ins Eigenkapital übertragen. Je nachdem, ob die Bezüge oder die Gutschriften überwiegen, entsteht ein Soll- oder Habenüberschuss. Dies hat unterschiedliche Auswirkungen auf das Eigenkapital.

Variante 1: Sollüberschuss im Privatkonto

Die Bezüge (Soll) sind höher als die Gutschriften (Haben). Die inhabende Person hat mehr aus dem Geschäft entnommen, als ihr durch Eigenlohn und Eigenzins gutgeschrieben wurde. Das Eigenkapital wird vermindert.

2850 Privat Soll (Bezüge) Haben (Gutschriften) Barbezüge Private Rechnungen Warenbezüge Eigenlohn Eigenzins Total: 50'000 Fr. Total: 40'000 Fr. Sollüberschuss: 10'000 Franken Übertrag 2800 EK / 2850 Privat 2800 Eigenkapital Soll (−) Haben (+) Sollsaldo Privat 10'000 Franken Anfangsbestand 100'000 Franken Neues EK: 90'000 Franken (minus 10'000)

Buchung bei Sollüberschuss

2800 Eigenkapital / 2850 Privat

Variante 2: Habenüberschuss im Privatkonto

Die Gutschriften (Haben) sind höher als die Bezüge (Soll). Die inhabende Person hat weniger aus dem Geschäft entnommen, als ihr durch Eigenlohn und Eigenzins gutgeschrieben wurde. Das Eigenkapital wird erhöht.

2850 Privat Soll (Bezüge) Haben (Gutschriften) Barbezüge Private Rechnungen Eigenlohn Eigenzins Spesen privat bezahlt Total: 35'000 Fr. Total: 50'000 Fr. Habenüberschuss: 15'000 Franken Übertrag 2850 Privat / 2800 EK 2800 Eigenkapital Soll (−) Haben (+) Anfangsbestand 100'000 Franken Habensaldo Privat 15'000 Franken Neues EK: 115'000 Franken (plus 15'000)

Buchung bei Habenüberschuss

2850 Privat / 2800 Eigenkapital

Typische Buchungen beim Einzelunternehmen

Buchungen über das Privatkonto

2850 Privat
Soll (Belastungen / Bezüge)
Barbezüge aus 1000 Kasse
Private Rechnungen via 1020 Bank
Warenbezüge aus 1200 Warenvorrat
Privatnutzung via 6270
Haben (Gutschriften)
Eigenlohn via 5000 Personalaufwand
Eigenzins via 6900 Finanzaufwand
Geschäftsspesen privat bezahlt
Privates Fahrzeug geschäftlich genutzt

Minicases: Buchungssätze beim Einzelunternehmen

Minicase 1

Barbezug für private Zwecke

Ausgangslage: Frau Weber führt eine Bäckerei als Einzelunternehmen. Am 15. März nimmt sie 500 Franken aus der Geschäftskasse für private Einkäufe.

Frage: Wie lautet der Buchungssatz?

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2850 Privat / 1000 Kasse 500 Franken

Erklärung: Der Barbezug belastet das Privatkonto (Soll) und vermindert die Kasse (Haben). Die inhabende Person entnimmt Geld aus dem Geschäft für private Zwecke.

Minicase 2

Eigenlohn gutschreiben

Ausgangslage: Herr Keller betreibt ein IT-Beratungsunternehmen. Ende März schreibt er sich den monatlichen Eigenlohn von 6'000 Franken gut.

Frage: Wie lautet der Buchungssatz?

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5000 Lohnaufwand / 2850 Privat 6'000 Franken

Erklärung: Der Eigenlohn ist ein Aufwand (Soll) und wird dem Privatkonto gutgeschrieben (Haben). So erscheint der kalkulatorische Lohn in der Erfolgsrechnung.

Minicase 3

Eigenzins verbuchen

Ausgangslage: Das Einzelunternehmen Gartenbau Meier weist ein Eigenkapital von 120'000 Franken auf. Der Eigenzins beträgt 4 Prozent pro Jahr. Am Jahresende wird der Eigenzins verbucht.

Frage: Wie hoch ist der Eigenzins und wie lautet der Buchungssatz?

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Berechnung: 120'000 Franken × 4 % = 4'800 Franken

6900 Zinsaufwand / 2850 Privat 4'800 Franken

Erklärung: Der Eigenzins erhöht den Finanzaufwand (Soll) und wird dem Privatkonto gutgeschrieben (Haben). Er entschädigt die inhabende Person für das gebundene Kapital.

Minicase 4

Private Nutzung des Geschäftsfahrzeugs

Ausgangslage: Die Malermeisterin Brunner nutzt den Firmenwagen für die Fahrt in die Ferien. Der Privatanteil beträgt gemäss Berechnung 150 Franken.

Frage: Wie lautet der Buchungssatz?

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2850 Privat / 6270 Privatanteil Fahrzeug 150 Franken

Erklärung: Die Privatnutzung belastet das Privatkonto (Soll) und vermindert den Fahrzeugaufwand (Haben). Der Geschäftsaufwand wird korrigiert, da ein Teil privat verursacht wurde.

Minicase 5

Geschäftsspesen privat bezahlt

Ausgangslage: Herr Frei hat auf einer Geschäftsreise Hotelkosten von 280 Franken mit der privaten Kreditkarte bezahlt.

Frage: Wie lautet der Buchungssatz?

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5820 Reiseaufwand / 2850 Privat 280 Franken

Erklärung: Der Geschäftsaufwand wird erfasst (Soll) und dem Privatkonto gutgeschrieben (Haben). Die inhabende Person hat privates Geld für geschäftliche Zwecke vorgestreckt.

Minicase 6

Warenbezug aus dem eigenen Geschäft

Ausgangslage: Frau Gerber führt ein Lebensmittelgeschäft. Sie nimmt Waren im Wert von 85 Franken (Einstandspreis) für den privaten Haushalt mit.

Frage: Wie lautet der Buchungssatz?

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2850 Privat / 4907 Eigenverbrauch 85 Franken

Erklärung: Der Warenbezug belastet das Privatkonto (Soll) und mindert den Warenaufwand (Haben). Die Buchung erfolgt zum Einstandspreis, da keine echte Gewinnerzielung stattfindet.

Jahresabschluss: Saldierung und Gewinnverbuchung

Am Jahresende wird das Privatkonto abgeschlossen und mit dem Eigenkapital verrechnet. Danach wird der Gewinn oder Verlust aus der Erfolgsrechnung ins Eigenkapital übertragen. Die inhabende Person entscheidet allein über die Verwendung. Es braucht keine Generalversammlung und keine Beschlüsse.

Fallbeispiel

Einzelfirma Meier Schreinerei

Ausgangslage: Die Einzelfirma Meier Schreinerei weist folgende Werte auf:

Eigenkapital Anfangsbestand: 80'000 Franken
Privatkonto Soll (Bezüge): 45'000 Franken
Privatkonto Haben (Gutschriften): 60'000 Franken
davon Eigenlohn: 48'000 Franken, Eigenzins: 3'200 Franken
Reingewinn gemäss Erfolgsrechnung: 25'000 Franken

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Schritt 1: Privatkonto saldieren

Haben (60'000 Franken) minus Soll (45'000 Franken) = Habensaldo 15'000 Franken

Der Habensaldo bedeutet: Die inhabende Person hat weniger bezogen als gutgeschrieben wurde.

2850 Privat / 2800 Eigenkapital 15'000 Franken

Schritt 2: Gewinn ins Eigenkapital übertragen

9000 Erfolgsrechnung / 2800 Eigenkapital 25'000 Franken

Eigenkapital Endbestand

80'000 Franken (Anfang) + 15'000 Franken (Privatsaldo) + 25'000 Franken (Gewinn) = 120'000 Franken

Unternehmereinkommen (steuerbares Einkommen)

Reingewinn: 25'000 Franken
+ Eigenlohn: 48'000 Franken
+ Eigenzins: 3'200 Franken
= Unternehmereinkommen: 76'200 Franken

Dieses Unternehmereinkommen ist die Basis für die Einkommenssteuer und die definitive AHV-Abrechnung.

Überprüfen Sie Ihr Wissen

Frage 1: Ab welchem Jahresumsatz ist ein Handelsregistereintrag Pflicht?

Frage 2: Woraus setzt sich das Unternehmereinkommen zusammen?

Frage 3: Ist das Führen eines Privatkontos gesetzlich vorgeschrieben?

Zusammenfassung: Die wichtigsten Punkte

  • Das Einzelunternehmen ist die häufigste Rechtsform in der Schweiz mit rund 300'000 aktiven Firmen.
  • Die Gründung erfolgt formlos, ein Handelsregistereintrag ist erst ab 100'000 Franken Jahresumsatz Pflicht.
  • Die inhabende Person haftet unbeschränkt mit dem gesamten Privat- und Geschäftsvermögen.
  • Die Ausgleichskasse prüft anhand verschiedener Kriterien, ob jemand als selbstständigerwerbend gilt.
  • AHV/IV/EO-Beiträge betragen 5,371 bis 10 Prozent (steigende Skala bis 60'500 Franken Einkommen).
  • Die Beiträge werden vierteljährlich als Akonto bezahlt, die Schlussabrechnung erfolgt nach Steuermeldung.
  • Das Eigenkapital erscheint in der Bilanz, das Privatkonto wird am Jahresende saldiert.
  • Das Privatkonto ist empfohlen gemäss Kontenrahmen KMU, aber nicht gesetzlich vorgeschrieben.
  • Die inhabende Person entscheidet allein über Gewinn und Verlust. Keine GV erforderlich.
  • Das steuerbare Unternehmereinkommen besteht aus Reingewinn plus Eigenlohn plus Eigenzins.