Care Farming Schweiz: Angebote und Finanzierung für Senioren 2026
20. Januar 2026 Lesezeit: 10 Minuten

Care Farming Schweiz: Sinnvolle Aktivitäten für Seniorinnen und Senioren auf Bauernhöfen

Bauernhof statt Altersheim: Ältere Menschen finden auf Schweizer Höfen ein aktives Leben mit Tieren, Natur und Gemeinschaft.

60+
Zertifizierte Partnerbetriebe in der Schweiz
3
Angebotsformen: Tagesbesuche, Ferien, Wohnen
2022
Gründung Green Care Schweiz

Auf einen Blick

  • Care Farming bietet älteren Menschen sinnstiftende Aktivitäten auf Bauernhöfen.
  • Die Angebote reichen von Tagesbesuchen bis zum dauerhaften Wohnen.
  • Die Finanzierung erfolgt meist privat, teilweise über Ergänzungsleistungen.
  • Green Care Schweiz vernetzt Anbieter und setzt Qualitätsstandards.
  • Bauernfamilien können sich für die Betreuungsarbeit qualifizieren.

Was ist Care Farming?

Care Farming verbindet Landwirtschaft mit sozialer Betreuung. Menschen mit besonderen Bedürfnissen werden auf Bauernhöfen aufgenommen und in den Alltag eingebunden. Sie helfen bei der Arbeit mit, soweit sie können und wollen. Für manche ist es ein Tagesausflug, für andere ein neues Zuhause.

Der Begriff stammt aus dem Englischen und wird in der Schweiz oft als «Green Care» bezeichnet. Die Idee dahinter: Die Natur, die Tiere und die sinnvolle Beschäftigung wirken sich positiv auf das Wohlbefinden aus. Das bestätigen auch wissenschaftliche Studien der ETH Zürich und der ZHAW.

«Der Bauernhof gibt meinem Tag wieder eine Struktur. Ich fühle mich nützlich und nicht einfach abgestellt.» Teilnehmerin eines Care-Farming-Angebots, 78 Jahre

Das Care Farming Ökosystem

Seniorin / Senior Natur Tiere Bauern- familie Sinnvolle Tätigkeit Gemein- schaft Tages- struktur Bewegung
Green Care Schweiz

Die 2022 gegründete Dachorganisation Green Care Schweiz vernetzt Anbieter und setzt Qualitätsstandards. Über 60 zertifizierte Partnerbetriebe sind registriert. Die meisten befinden sich in der Deutschschweiz, besonders in den Kantonen Bern, Aargau und Zürich.

Angebote für Seniorinnen und Senioren

Care Farming richtet sich an verschiedene Zielgruppen. Für ältere Menschen gibt es zunehmend spezifische Angebote, die sich in drei Hauptkategorien einteilen lassen.

Tagesbetreuung

Regelmässige Besuche auf dem Hof, zum Beispiel einmal pro Woche. Abends Rückkehr nach Hause. Entlastung für pflegende Angehörige.

Ferienaufenthalte

Kurzaufenthalte von einer bis zwei Wochen. Willkommene Abwechslung für Seniorinnen und Senioren. Auszeit für Angehörige.

Dauerhaftes Wohnen

Leben als Teil der Bauernfamilie. Alternative zum klassischen Altersheim. Für Menschen, die noch relativ selbstständig sind.

Care Farming eignet sich für

  • Menschen, die noch mobil und weitgehend selbstständig sind.
  • Personen, die ein aktives Leben mit sinnvoller Beschäftigung wünschen.
  • Menschen, die gerne in der Natur sind und Tiere mögen.
  • Personen, die Gemeinschaft suchen, aber keine intensive Pflege benötigen.

Care Farming ist weniger geeignet für

  • Menschen mit hohem Pflegebedarf.
  • Personen, die regelmässige medizinische Versorgung benötigen.
  • Menschen mit stark eingeschränkter Mobilität.
  • Personen, die eine geschützte Umgebung brauchen.

Tätigkeiten auf dem Hof

Was tun ältere Menschen den ganzen Tag auf einem Bauernhof? Die Möglichkeiten sind vielfältig und werden an die individuellen Fähigkeiten angepasst. Alle Tätigkeiten sind freiwillig.

Tätigkeit Körperliche Anforderung Besonders geeignet für
Tiere füttern, streicheln Gering Alle
Gartenarbeit im Sitzen Gering bis mittel Personen mit eingeschränkter Mobilität
Gemüse rüsten, Kochen Gering Alle, besonders erfahrene Köchinnen und Köche
Spaziergänge auf dem Hof Mittel Mobile Personen
Einfach da sein, beobachten Keine Alle
Freiwilligkeit als Grundprinzip

Nicht jeder möchte arbeiten. Auch das ist in Ordnung. Auf der Bank sitzen, die Natur beobachten oder sich mit der Familie unterhalten: Auch das ist wertvolle Zeit. Es geht um Teilhabe, nicht um Arbeitspflicht.

Finanzierung

Die Finanzierung von Care Farming ist oft eine Herausforderung. Anders als bei Pflegeheimen gibt es keine einheitlichen Regelungen. Die Kosten variieren je nach Angebot, Region und Betrieb.

Finanzierungsmöglichkeiten

Selbstzahlung: Die meisten Aufenthalte werden privat finanziert. Vermögen, Rente und Unterstützung durch Angehörige decken die Kosten.

Ergänzungsleistungen (EL): Wer Anspruch auf Ergänzungsleistungen hat, kann unter Umständen Kosten für Betreuung und Hilfe zu Hause geltend machen. Ob Care-Farming-Kosten anerkannt werden, hängt vom Kanton ab.

Behördliche Platzierung: Wird eine Person durch eine Behörde (z.B. KESB) platziert, ist die Finanzierung meist besser geregelt.

Die Krankenkasse zahlt nicht

Die Krankenkasse übernimmt keine Kosten für Care Farming, da es sich nicht um eine medizinische Leistung handelt. Wer zusätzlich Spitex benötigt, kann deren Pflegeleistungen separat über die Krankenkasse abrechnen.

Für aktuelle Informationen zu Kosten und Finanzierung empfehlen wir, direkt mit Green Care Schweiz oder den einzelnen Betrieben Kontakt aufzunehmen.

Voraussetzungen für Bauernbetriebe

Bauernfamilien, die Care Farming anbieten möchten, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllen.

Anforderungen an Care-Farming-Anbieter Care Farming auf dem Bauernhof Persönliche Eignung Offenheit gegenüber fremden Menschen. Geduld und Einfühlungs­ vermögen. Flexibilität im Umgang mit unterschiedlichen Situationen. Unterstützung durch die ganze Familie. Bereitschaft zur Selbstreflexion. Ausbildung Kurs «Betreuung im ländlichen Raum» (ABL). 32 Unterrichtstage über ca. 16 Monate. Grundlagen der Betreuung und Kommunikation. Rechtliche Aspekte und Selbstfürsorge. Zertifikat Inforama/BFF. Betriebliche Voraussetzungen Geeignete Räumlichkeiten für Betreuungspersonen. Kantonale Bewilligungen je nach Angebot. Barrierefreier Zugang je nach Zielgruppe. Zusammenarbeit mit einer Vermittlungsorganisation. Versicherungsschutz klären.

Persönliche Eignung

Die wichtigste Voraussetzung ist die Bereitschaft, fremde Menschen in die Familie aufzunehmen. Dies erfordert Offenheit, Geduld und die Fähigkeit, mit unterschiedlichen Situationen umzugehen. Die ganze Familie muss hinter dem Entscheid stehen.

Ausbildung

Eine spezifische Ausbildung ist empfehlenswert. Das Inforama im Kanton Bern bietet den Kurs «Ausbildung Betreuung im ländlichen Raum» (ABL) an. Der 32-tägige Kurs vermittelt Grundlagen der Betreuungsarbeit.

Ausbildung «Betreuung im ländlichen Raum»

Anbieter: Inforama, Kanton Bern.

Dauer: 32 Unterrichtstage über ca. 16 Monate.

Inhalt: Grundlagen der Betreuungsarbeit, Kommunikation, rechtliche Aspekte, Selbstfürsorge.

Abschluss: Zertifikat Inforama/BFF.

Weitere Informationen: inforama.ch

Betriebliche Voraussetzungen

Der Betrieb muss geeignete Räumlichkeiten bieten. Je nach Kanton sind Bewilligungen erforderlich, insbesondere wenn mehrere Personen aufgenommen werden. Die Zusammenarbeit mit einer Vermittlungsorganisation kann den Einstieg erleichtern.

Häufige Fragen zu Care Farming

Ist Care Farming das Gleiche wie ein Pflegeheim?

Nein. Care Farming ist keine Pflegeeinrichtung. Im Zentrum steht nicht die medizinische Versorgung, sondern die soziale Teilhabe und ein aktives Leben. Wer regelmässig Pflege benötigt, ist in einem Pflegeheim oder mit Spitex-Unterstützung besser aufgehoben. Care Farming eignet sich für Menschen, die noch selbstständig sind, aber Gemeinschaft und sinnvolle Beschäftigung suchen.

Bezahlt die Krankenkasse Care Farming?

Die Krankenkasse übernimmt keine Kosten für Care Farming, da es sich nicht um eine medizinische Leistung handelt. Wird zusätzlich Spitex benötigt, können deren Pflegeleistungen über die Krankenkasse abgerechnet werden. Die Betreuung auf dem Bauernhof selbst ist jedoch privat zu finanzieren.

Wie finde ich einen geeigneten Bauernhof?

Die Dachorganisation Green Care Schweiz führt eine Liste von Partnerbetrieben. Auch Vermittlungsorganisationen wie die Stiftung LuB oder die Wobe AG können bei der Suche helfen. Ein persönlicher Besuch vor Ort ist wichtig, um zu prüfen, ob die Chemie stimmt.

Muss ich auf dem Bauernhof arbeiten?

Nein. Alle Tätigkeiten sind freiwillig. Wer möchte, kann bei leichten Arbeiten mithelfen, zum Beispiel beim Füttern der Hühner oder beim Gemüserüsten. Wer lieber spazieren geht oder einfach die Ruhe geniesst, kann das ebenfalls tun. Es geht um Teilhabe, nicht um Arbeitspflicht.

Kritisch nachgefragt

Für wen ist Care Farming geeignet?

Care Farming richtet sich an Menschen, die körperlich und geistig noch weitgehend selbstständig sind. Ideal sind Personen, die Freude an Natur, Tieren und ländlichem Leben haben. Wer intensive Pflege oder medizinische Betreuung benötigt, ist in einem Pflegeheim besser aufgehoben. Auch Menschen mit fortgeschrittener Demenz oder starker Mobilitätseinschränkung können auf einem Bauernhof oft nicht angemessen betreut werden.

Wer profitiert von Care Farming?

Im Idealfall profitieren alle Beteiligten. Die betreuten Personen erhalten ein aktives, sinnstiftendes Umfeld mit sozialer Einbindung. Die Bauernfamilie gewinnt ein zusätzliches Einkommen und oft auch bereichernde zwischenmenschliche Kontakte. Das Gesundheitssystem wird entlastet, weil teure Heimplätze eingespart werden. Kritisch betrachtet: Die Bauernfamilie trägt eine hohe Verantwortung bei vergleichsweise bescheidener Entlöhnung. Die Qualitätskontrolle ist kantonal unterschiedlich geregelt.

Welches Profil sollte eine ältere Person mitbringen?

Eine gewisse Anpassungsfähigkeit ist wichtig. Das Leben auf dem Bauernhof folgt anderen Rhythmen als in der Stadt. Frühes Aufstehen, einfache Verhältnisse und manchmal auch Lärm oder Gerüche gehören dazu. Geeignet sind Personen, die offen für Neues sind, gerne unter Menschen leben und sich in eine bestehende Familienstruktur einfügen können. Wer viel Privatsphäre braucht oder einen hohen Komfortstandard erwartet, wird möglicherweise nicht glücklich.

Wird die Mitarbeit der betreuten Person entlöhnt?

Nein. Die Mithilfe auf dem Hof ist freiwillig und gilt als Teil des Betreuungskonzepts, nicht als Arbeit im arbeitsrechtlichen Sinn. Es handelt sich um sinnstiftende Beschäftigung, nicht um ein Arbeitsverhältnis. Die betreute Person bezahlt für die Betreuung und erhält keine Vergütung für ihre Mithilfe. Dies unterscheidet Care Farming klar von einer Anstellung. Wer gegen Entgelt arbeiten möchte, muss ein reguläres Arbeitsverhältnis eingehen.

Gibt es Risiken oder Nachteile?

Ja. Die Qualität der Betreuung hängt stark von der einzelnen Familie ab. Es gibt keine einheitlichen nationalen Standards. Im ländlichen Raum ist die medizinische Versorgung oft weiter entfernt. Bei Konflikten oder wenn sich der Gesundheitszustand verschlechtert, kann ein Wechsel nötig werden. Auch die Abhängigkeit von einer einzelnen Familie kann problematisch sein. Deshalb ist eine sorgfältige Auswahl und ein Probewohnen vor der definitiven Entscheidung wichtig.

Wie steht es um die Rechte der betreuten Person?

Die betreute Person hat dieselben Rechte wie in jeder anderen Wohnform. Dazu gehören das Recht auf Privatsphäre, auf würdevolle Behandlung und auf freie Gestaltung des Alltags. Ein schriftlicher Betreuungsvertrag sollte die gegenseitigen Rechte und Pflichten regeln. Wichtig: Niemand darf zu Tätigkeiten gezwungen werden. Bei Problemen können die kantonale Ombudsstelle oder die KESB (Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde) kontaktiert werden.

Quellen: Dieser Artikel basiert auf Informationen von Green Care Schweiz, dem Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV), der ZHAW und dem Careum. Stand: Januar 2026.

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