Make or Buy: Wann lohnt sich der Schritt nach aussen?
So entscheiden Schweizer KMU systematisch zwischen Eigenfertigung und Fremdbezug
- Eine typische Frage aus der Werkstatt
- Kurzfristig oder langfristig? Warum das den Rechenweg bestimmt
- Fall 1: Fremdbezug ohne Kapazitätsengpass (Sanitärbetrieb)
- Fall 2: Outsourcing mit Indifferenzmenge (Transportunternehmen)
- Was die Rechnung nicht zeigt: Engpässe und nichtfinanzielle Kriterien
- Fazit und nächste Schritte
1. Eine typische Frage aus der Werkstatt
Ein Sanitär- und Heizungsbetrieb mit zwölf Monteuren fertigt seit Jahren einzelne Lüftungsteile in der eigenen Werkstatt. Ein Lieferant aus der Region bietet die gleichen Bauteile neu zu einem attraktiven Preis an. Der Inhaber stellt sich die zentrale Frage der Betriebsbuchhaltung: Selbst herstellen oder einkaufen? Diese Make-or-Buy-Entscheidung trifft jedes Unternehmen täglich, ob in der Werkstatt, in der Lohnbuchhaltung, im IT-Betrieb oder beim Fuhrpark.
Make heisst Eigenfertigung mit eigenen Ressourcen, eigenem Personal und eigener Infrastruktur. Buy heisst Fremdbezug, also der Einkauf einer Leistung bei einem Drittunternehmen. Wer eine bisher selbst gefertigte Leistung neu auslagert, spricht von Outsourcing. Wer eine bisher fremdbezogene Leistung neu selbst übernimmt, spricht von Insourcing.
Die Entscheidung baut auf zwei Begriffen der Teilkostenrechnung auf. Variable Kosten verändern sich mit der Leistungsmenge, etwa Material, Treibstoff oder Stundenlohn. Fixkosten fallen unabhängig von der Menge an, etwa Miete, Versicherungen, Monatslohn oder Abschreibungen. Diese Unterscheidung bestimmt, welche Zahlen Sie in die Rechnung einbeziehen.
Begriffe und je ein Branchenbeispiel
| Begriff | Bedeutung | Branchenbeispiel |
|---|---|---|
| Make | Eigenfertigung | Sanitärbetrieb fertigt Lüftungsteile selbst. |
| Buy | Fremdbezug | Spital lagert die Wäscherei an einen Dienstleister aus. |
| Outsourcing | Auslagerung bisher eigener Leistungen | Transportbetrieb gibt die eigene Flotte an eine Spedition. |
| Insourcing | Integration bisher fremder Leistungen | Biobauer übernimmt die Mostpressung neu im eigenen Betrieb. |
| Indifferenzmenge | Mengenpunkt, bei dem Make und Buy gleich teuer sind | Stellenvermittler vergleicht den Background-Check intern und extern. |
Wer diese Begriffe sicher anwenden will, übt sie im Live-Webinarkurs Betriebsbuchhaltung an eigenen Praxisbeispielen. Mit Zertifikat zum Abschluss.
2. Kurzfristig oder langfristig? Warum das den Rechenweg bestimmt
Der Rechenweg unterscheidet sich nach dem Zeithorizont der Entscheidung. Kurzfristig bleibt der Produktionsapparat unverändert. Maschinen sind bereits gekauft, Mietverträge laufen, Kernteam ist angestellt. Die Fixkosten bleiben in gleicher Höhe bestehen, egal ob Sie selbst fertigen oder einkaufen. Deshalb zählen kurzfristig nur die variablen Kosten und die Grenzkosten. Sie vergleichen die variablen Stückkosten mit dem Fremdbezugspreis pro Stück. Langfristig hingegen steht der Produktionsapparat zur Disposition. Sie können Maschinen verkaufen, Räume kündigen, Personal abbauen oder umgekehrt neu investieren. In diesem Fall werden die Vollkosten verwendet, weil sich die Fixkostenstruktur tatsächlich verändert.
| Situation | Produktionsapparat | Fixkosten | Rechenweg |
|---|---|---|---|
| Kurzfristig, kein Kapazitätsengpass | konstant | unverändert | Variable Kosten gegen Fremdpreis |
| Kurzfristig, ein Kapazitätsengpass | konstant | unverändert | Ersparnis je Kapazitätseinheit maximieren |
| Langfristig, Outsourcing | schrumpft | sinken (teilweise) | Indifferenzmenge mit Fixkostenabbau |
| Langfristig, Insourcing | wächst | steigen (neu) | Indifferenzmenge mit Fixkostenaufbau |
Wann zählen Teilkosten, wann Vollkosten? Diese Frage entscheidet jeden Fall. Im Live-Webinarkurs Betriebsbuchhaltung üben Sie den Wechsel zwischen beiden Sichten mit der Dozentin.
3. Fall 1: Fremdbezug ohne Kapazitätsengpass
Zurück zum Sanitärbetrieb aus der Einleitung. Die Werkstatt hat genug freie Kapazität, alle vier Lüftungsbauteile selbst zu fertigen. Die Fixkosten (Werkstattmiete, Maschinenwartung, Lohn des Werkstattchefs in Festanstellung) laufen ohnehin weiter. In dieser Lage gilt eine klare Regel: Vergleichen Sie ausschliesslich die variablen Stückkosten der Eigenfertigung mit dem Fremdbezugspreis. Liegt der Fremdpreis tiefer, beziehen Sie fremd. Liegt der Fremdpreis höher, fertigen Sie selbst.
Lassen Sie die Fixkosten kurzfristig konsequent weg. Wer Werkstattmiete, Versicherung und Werkstattchef-Lohn in den Vergleich einbezieht, verzerrt die Entscheidung. Die Fixkosten fallen in gleicher Höhe an, ob Sie selbst fertigen oder einkaufen.
Frage 1
Ein Sanitärbetrieb in Olten fertigt vier Lüftungsbauteile selbst. Die Werkstatt hat genügend freie Kapazität. Ein regionaler Lieferant offeriert dieselben Bauteile zu folgenden Preisen.
| Bauteil | Variable Eigenkosten | Fremdbezugspreis |
|---|---|---|
| Wandhalterung W1 | CHF 22.00 | CHF 28.00 |
| Lüftungsgitter L2 | CHF 32.00 | CHF 34.00 |
| Drosselklappe D3 | CHF 24.00 | CHF 25.00 |
| Endkappe E4 | CHF 8.00 | CHF 7.00 |
Welches Bauteil sollte der Betrieb fremdbeziehen?
4. Fall 2: Outsourcing mit Indifferenzmenge
Im zweiten Fall verändern sich die Fixkosten. Eine Schweizer Transportfirma überlegt, die eigene Fahrzeugflotte aufzugeben und die Aufträge an eine Spedition zu vergeben. Im eigenen Betrieb fallen pro gefahrenen Kilometer variable Kosten von CHF 0.60 an (Treibstoff, Verschleiss, Reifen, variabler Lohnanteil bei Stundenlohn). Die Spedition verrechnet pro Kilometer CHF 0.90. Auf den ersten Blick spricht das gegen Outsourcing. Doch bei einer Auslagerung können jährliche Fixkosten von CHF 75'000 abgebaut werden (Versicherungen, Wartungsverträge, Lohn des Disponenten). Ab welcher Fahrleistung lohnt sich was?
Diese Frage beantwortet die Indifferenzmenge. Sie ergibt sich aus den eingesparten Fixkosten geteilt durch die variablen Mehrkosten pro Kilometer. In Zahlen: CHF 75'000 geteilt durch CHF 0.30 ergibt 250'000 km pro Jahr. Wer dauerhaft unter dieser Menge bleibt, fährt mit der Spedition günstiger. Wer dauerhaft darüber liegt, fährt mit der eigenen Flotte günstiger.
Beim Outsourcing fallen die bisherigen Fixkosten nicht automatisch weg. Mietverträge laufen, Wartungsverträge sind gebunden, Mitarbeitende haben Kündigungsfristen. Diese Restfixkosten heissen Remanenzkosten. Prüfen Sie genau, welcher Anteil tatsächlich abgebaut werden kann. Zusätzlich können neue Fixkosten für die Steuerung der externen Partnerschaft entstehen (Vertragsmanagement, Schnittstellen, Qualitätskontrolle).
Ein Demeter-Hof mit 18 Hektaren prüft die umgekehrte Bewegung: Statt die Apfelernte wie bisher der regionalen Lohnmosterei zu übergeben (CHF 1.20 pro Liter), möchte er die Pressung neu im eigenen Betrieb übernehmen. Variable Eigenkosten CHF 0.50 pro Liter, neue Fixkosten CHF 14'000 pro Jahr für Mostpresse, Lager und Wartung. Indifferenzmenge: CHF 14'000 geteilt durch CHF 0.70 ergibt 20'000 Liter pro Jahr.
Wie würden Sie für Ihren Betrieb rechnen? Im Live-Webinarkurs Betriebsbuchhaltung bringen Sie eigene Insourcing-Beispiele mit und lösen sie gemeinsam mit der Dozentin.
Frage 2
Eine Schweizer Transportfirma überlegt, die eigene Flotte aufzugeben und alle Fahrten an eine Spedition zu vergeben. Die Eckwerte:
| Position | Wert |
|---|---|
| Variable Eigenkosten pro km (eigene Flotte) | CHF 0.60 |
| Preis pro km bei Spedition | CHF 0.90 |
| Abbaubare Fixkosten pro Jahr | CHF 75'000 |
Die Fahrleistung schwankt je nach Auftragslage zwischen 150'000 und 350'000 km pro Jahr.
Ab welcher jährlichen Fahrleistung lohnt sich die eigene Flotte gegenüber der Spedition?
5. Was die Rechnung nicht zeigt: Engpässe und nichtfinanzielle Kriterien
Zwei Spielarten der Make-or-Buy-Entscheidung gehen über die einfache Rechnung hinaus. Erstens der Engpass: Wenn die eigene Kapazität nicht reicht, alle Bedarfe selbst zu decken, ist nicht mehr die Stückersparnis entscheidend, sondern die Ersparnis pro Kapazitätseinheit. Zweitens die nichtfinanziellen Kriterien: Qualität, Know-how, Datenschutz, Lieferrisiko, Image und Compliance können das rechnerische Ergebnis kippen.
Ein Regionalspital hat eine knappe Kapazität an OP-Saal-Stunden. Das OP-Personal ist in Festanstellung, die OP-Stunde ist also kurzfristig knapp. Bei vier Eingriffstypen mit unterschiedlicher Dauer und unterschiedlicher Vergütung gibt die Ersparnis pro OP-Stunde die Reihenfolge vor. Eingriffe mit hoher Ersparnis pro OP-Stunde bleiben im Haus, Eingriffe mit tiefer Ersparnis pro OP-Stunde werden an ein Partnerspital weitergegeben.
Sind die finanziellen Faktoren ausgerechnet, folgt die zweite Stufe: die gewichtete Entscheidungsmatrix. Sie kombiniert quantitative und qualitative Kriterien. Jedes Kriterium erhält eine Gewichtung (Summe 100 Prozent). Make und Buy werden je Kriterium auf einer Skala von 1 bis 10 bewertet. Die gewichteten Punkte werden summiert. Die Variante mit dem höheren Total ist die empfohlene Option.
Eine Punktebewertung sieht objektiv aus, ist es aber nicht. Sowohl Gewichtungen als auch Punktwerte sind subjektive Einschätzungen. Die Matrix strukturiert die Diskussion, ersetzt aber kein Führungsurteil. Im Live-Webinarkurs Betriebsbuchhaltung üben Sie sechs typische Stolpersteine, darunter Remanenzkosten, Know-how-Verlust und Datenschutzrisiken. Sie schliessen den Live-Webinarkurs mit einem Zertifikat ab.
Frage 3
Eine Stellenvermittlerin in Zürich will den Background-Check für neue Kandidatinnen und Kandidaten auslagern. Die Rechnung zeigt eine Ersparnis von CHF 12'000 pro Jahr. Die langjährige Mitarbeiterin hat drei Monate Kündigungsfrist. Die Geschäftsleitung zögert.
Welcher Punkt fehlt in der Rechnung?
6. Fazit und nächste Schritte
Fünf Merksätze zum Mitnehmen
- Begriffe sauber trennen. Make und Buy entscheiden über die Leistung, Outsourcing und Insourcing über die Richtung.
- Zeithorizont prüfen. Kurzfristig zählen nur variable Kosten, langfristig auch die Fixkostenveränderungen.
- Ohne Engpass vergleichen Sie variable Eigenkosten mit dem Fremdbezugspreis.
- Mit Engpass maximieren Sie die Ersparnis pro Kapazitätseinheit.
- Die Rechnung allein entscheidet nie. Remanenzkosten, Know-how, Datenschutz, Image und Compliance gehören in jede Matrix.
Make-or-Buy ist eine der häufigsten und gleichzeitig unterschätzten Entscheidungen in Schweizer KMU. Wer die drei Rechenwege beherrscht und sie mit nichtfinanziellen Kriterien kombiniert, entscheidet sicherer und kommunizierbarer.
Was bedeutet Make or Buy in der Betriebsbuchhaltung?
Make or Buy ist die Entscheidung zwischen Eigenfertigung (Make) und Fremdbezug (Buy) eines Produkts oder eines Arbeitsvorgangs. Sie betrifft nicht nur die Produktion, sondern auch Beschaffung, Vertrieb, Finanzen und Verwaltung. In Schweizer KMU stellt sich die Frage zum Beispiel bei der Lohnbuchhaltung, der IT, dem Fuhrpark, der Reinigung oder der Werkstattfertigung.
Welche Kosten vergleicht man bei einer Make-or-Buy-Entscheidung?
Kurzfristig vergleicht man den Fremdbezugspreis mit den variablen Eigenkosten. Fixkosten bleiben aussen vor, weil sie in beiden Fällen weiterlaufen. Langfristig werden auch die Fixkostenveränderungen einbezogen, weil der Produktionsapparat angepasst werden kann.
Wie berechnet man die Indifferenzmenge bei einem Outsourcing-Entscheid?
Die Indifferenzmenge ergibt sich aus den eingesparten Fixkosten geteilt durch die variablen Mehrkosten pro Leistungseinheit. Beispiel: Werden CHF 75'000 Fixkosten eingespart und kostet jeder Kilometer extern CHF 0.30 mehr, liegt die Indifferenz bei 250'000 Kilometern pro Jahr. Unter dieser Menge lohnt sich Buy, darüber lohnt sich Make.
Wann lohnt sich Insourcing in einem Schweizer KMU?
Insourcing lohnt sich, wenn die variablen Minderkosten pro Leistungseinheit die neu entstehenden Fixkosten dauerhaft tragen. Die Indifferenzmenge berechnet sich aus den neuen Fixkosten geteilt durch die variablen Minderkosten. Liegt die Eigenmenge dauerhaft über dieser Schwelle, ist Insourcing wirtschaftlich.
Wo kann ich Make-or-Buy in einer Schweizer Weiterbildung üben?
Bei online-kurs.ch besuchen Sie den Live-Webinarkurs Betriebsbuchhaltung mit sieben Modulen à drei Stunden. Sie üben Make-or-Buy gemeinsam mit der Dozentin und schliessen mit einem Zertifikat nach bestandener Prüfung ab. Der Kurspreis von CHF 999 enthält den passenden Online-Lernkurs und die Zertifikatsprüfung.
So vertiefen Sie Make or Buy im begleiteten Live-Webinarkurs
Im Live-Webinarkurs Betriebsbuchhaltung von online-kurs.ch üben Sie Make-or-Buy mit der Dozentin Schritt für Schritt. Zusätzlich zu den hier gezeigten Beispielen erarbeiten Sie:
- die vollständige Insourcing-Rechnung mit eigenem Praxisbeispiel,
- die mehrstufige Engpass-Analyse mit Sortimentswahl in Spital, Bäckerei und Druckerei,
- die gewichtete Entscheidungsmatrix für fünf KMU-Branchen,
- sechs typische Stolpersteine im Outsourcing-Entscheid (Remanenzkosten, Know-how-Verlust, Datenschutz, Lieferrisiko, Wechselkurs, Compliance),
- die Verbindung von Make-or-Buy mit Kalkulation und Preisfindung,
- rund 50 weitere Aufgaben mit detaillierten Tabellenlösungen.
Der Live-Webinarkurs umfasst sieben Module à drei Stunden und schliesst mit einem Zertifikat nach bestandener Prüfung ab. Der passende Online-Lernkurs ist im Kurspreis von CHF 999 für ein Jahr enthalten. Der Einstieg in den neuen Kursdurchgang steht unmittelbar bevor.

